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Die schwarzen Kisten

 

 
 

 
Ich beschäftige mich nun seit knapp 2 Jahren mit dem Thema Minimalismus. Im ersten Schritt ging es mir darum, meinen materiellen Besitz zu reduzieren. Und im Zweiten darum, unerwünschte Lebenszustände und Sachverhalte zu terminieren. Umgesetzt habe ich dies, mithilfe meiner so genannten Schwarzen Kisten.
 

 
Im Minimalismus-Wahn in Form von Sachen verkaufen, Sachen verschenken und Sachen wegwerfen, kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich auch meine Sachverhalte zu untersuchen und aufzulisten begonnen habe. Das bedeutet, ich notierte mir diverse Sachverhalte und Lebensumstände auf einen Zettel und nahm mir vor, auch hier den Minimalismus wüten zu lassen. Um dieses Vorhaben auf visueller Ebene für mich greifbar zu machen, habe ich diese Sachverhalte in Form von Gegenständen wie Rechnungen und/oder Zetteln (auf die ich zuvor meine Vorhaben notiert hatte) in schwarze Kisten verstaut. Diese Schwarzen Kisten wurde dann von mir mit Absicht ins Zentrum meiner kleinen 30qm Wohnung gestellt.
 

 
 

 
Da meine kleine Wohnung, bedingt durch den materiellen Minimalismus, in den Monaten zuvor immer leerer geworden war und mir in meiner Wahrnehmung immer grösser erschien, waren die Schwarzen Kisten für mich natürlich ein extremer Störfaktor. Ein Störfaktor, welchen ich mir selbst mit Absicht erzeugt hatte. Denn erst durch das Abarbeiten der Schwarzen Kisten und deren Inhalte war es mir möglich, die störenden Kisten wieder aus meiner Wohnung zu beseitigen. Der Inhalt der Kisten entsprach dabei stets dem jeweiligen Sachverhalt, den ich reduzieren wollte.
 

 
 

 
Ein Sachverhalt, der mir im vergangenen Jahr besonders auf die Nerven ging, war die Tatsache, dass ich regelmässig Rückzahlungen ans BAföG Amt leisten musste. Also habe ich alle Schreiben vom BAföG Amt aus meinem Ordner entnommen und diese in eine meiner Schwarzen Kisten gelegt. Diese Kiste habe ich dann in meine Wohnung gestellt. Der Sachverhalt wurde dadurch für mich permanent sichtbar und präsent und ich war gezwungen diesen zu klären.
 

 
In diesem Jahr befinden sich in einer meiner Kisten Utensilien die notwendig sind, um Werbeflyer zu produzieren. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen insgesamt 250 Flyer zu versenden um neue Filmaufträge an Land zu ziehen. In einer weiteren Kiste befindet sich Papier, Fineliner und Buntstifte. Denn ich habe mir vorgenommen, 80 neue Zeichnungen anzufertigen. Um daraus eine neue Filmidee zu entwickeln.
 

 
 

 
Für mich ist diese Technik eine inspirierende Methode, um abstrakte Sachverhalte wie Sorgen, Wünsche und Vorhaben für mich selbst greifbarer zu machen.
 

 
 

 
 

 
Durch meine Schwarzen Kisten bin ich dazu gezwungen, mich mit diesen Sachverhalten auseinander zu setzen um am Ende die nervigen Kisten wieder los zu werden.