MINIMALISMUS

Minimalist sein

 

 
 

 
Wieso gibt man als Mensch, der in einem wohlhabenden und Konsum - orientieren Erste Welt Land lebt das Wort Minimalismus in die Suchleiste von Google ein? Wieso interessiert man sich für einen Ismus, der im absoluten Kontrast zu den Idealen unserer Gesellschaft steht? Ich denke nicht, dass ich Antworten für dich habe. Was ich aber tun kann, ist Ursachenforschung zu betreiben.
 

 
Ich frage mich woher das kommt. Woher kommt der Trend des Minimalismus? Wieso stellst du dich quer? Wieso stellst du dich quer gegen diesen absoluten Konsumwahnsinn? Wieso stellst du dich quer gegen diese permanente Expansion? Und gegen den Wunsch danach immer schneller, höher, weiter, besser und noch krasser sein zu wollen?
 

 
 

 
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke es ist der Moment in unserem Leben, in dem wir die Vergänglichkeit begreifen. Häufig bedingt durch einen schweren emotionalen Verlust wie eine Trennung oder einen Todesfall in der Familie. In diesem Moment setzen wir uns plötzlich in aller Ruhe hin und stellen uns die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist.
 

 
 

 
Wenn man beispielweise einen Raum betritt - und in diesem Raum befinden sich jede Menge Regale mit Büchern - dann wird man ganz automatisch davon ausgehen, bzw. man wird akzeptieren, dass es sich bei diesem Raum um eine Buchhandlung oder um eine Bibliothek handeln muss. Wenn man einen Raum betritt, in dem jede Menge Sportschuhe, Tennisschläger und Fussbälle verteilt wurden, dann wird man davon ausgehen, bzw. man wird akzeptieren, dass es sich bei diesem Raum um ein Sportgeschäft handeln muss. Wenn man aber einen leeren, weissen Raum betritt, dann wird man nicht davon ausgehen, dass es sich bei diesem Raum um eine Bibliothek, ein Sportgeschäft oder um eine Pommesbude handelt, sondern man würde sich lediglich in einen leeren, weissen Raum betreten. Was dann passiert ist, dass sich plötzlich neue Gedanken und Ideen im Kopf zu formen beginnen. Man gräbt Hoffnungen und Wünsche aus, die viele Jahre tief unter der Illusion davon, dass man sich in einer Buchhandlung oder in einem Sportgeschäft befinden würde, begraben lagen. Und man erkennt den Raum plötzlich als das an, was er wirklich ist. Nämlich nur ein Raum. Das tolle daran ist, dass die Vergangenheit (beinahe) keine Rolle mehr spielt. Es spielt keine Rolle mehr, ob in diesem Raum zuvor Bücher mit Bücherregalen gestanden haben. Oder Sportschuhe, Tennisschläger und Fussbälle verteilt gelegen haben. Nichts davon spielt mehr eine Rolle. Sobald der Raum leer ist, entsteht ganz automatisch die Idee für etwas Neues.
 

 
Das ist es, was ich in vielen meiner Youtube Videos versuche zu vermitteln. Nämlich, dass die Veränderung im Innen, immer nur im Aussen starten kann. Man kann sich nicht einfach hinsetzen und sagen „So, jetzt verändere ich mein Leben und meine Einstellung.“ Doch sobald man im Aussen beginnt die Materie zu reduzieren, verändert sich die Einstellung im Innen ganz von selbst. Und man findet zurück zu seinem Ursprung. Das zumindest ist meine Erfahrung.
 

 
 

 
Es kommt mir im Nachhinein so vor, als hätte all der materielle Kram dauerhaft meinen Blick aufs Wesentliche verschleiert. In der Regel sind es im Leben die extrem schmerzhaften Erfahrungen und einscheidenden Erlebnisse, durch die man begreift, dass die Vergänglichkeit allgegenwärtig ist. Und im Moment des Begreifens wird einem häufig klar, was im Leben von wirklichem Wert ist.
 

 
 


 
Wenn man im Aussen eine Leere schafft, dann fühlt es sich so an, als würde man die Kontrolle zurück gewinnen. Man steht in diesem riesengrossen, weißen Raum, in dieser leeren Lagerhalle und man fragt sich – zum ersten mal nach einer halben Ewigkeit - Wer im Leben wollte ich ursprünglich eigentlich sein? Und wo in meinem Leben wollte ich eigentlich hingehen? Und das ist für mich Minimalismus.