MINIMALISMUS

Dogmatischer Minimalismus

 

 
 

 
Vor einigen Jahren stand ich vor einem, für meine Verhältnisse, nahezu unüberwindbaren Berg an Schulden in Höhe von 25.000 Euro. Bedingt durch mein Studium, durch selbst finanzierte Kurzfilme, durch Finanzchaos und durch Unordnung im Umgang mit Rechnungen und Mahnungen. Der einzige Ausweg war damals für mich das, was man heute unter dem Lifestyle- Begriff Minimalismus kennt.
 

 
Ich finde es immer wieder interessant zu erfahren, warum sich manche Menschen dazu entscheiden minimalistisch zu leben. Eine wirklich grosse Bewunderung empfinde ich für solche Minimalisten, denen es in erster Linie um die ökologische Nachhaltigkeit geht. Und bei mir? Ich komme mir selbst dabei irgendwie ein bisschen dämlich vor, aber wenn ich ehrlich bin, ging es bei mir nur um Eines. Und vielleicht geht es auch noch immer nur darum. Meine Motivation ein Minimalist zu werden war schlich und einfach, oberflächlich und blöd folgender Grund: Das Geld.
 

 
 

 
Für mich besteht im Minimalismus nicht das Endziel in Bezug auf seinen Besitz auf "Null" zu kommen. Minimalismus ist für mich eher ein Teil von einem grösseren Ganzen. Ich verspüre nicht den Wunsch danach, nur noch eine sehr geringe Anzahl an Gegenständen zu besitzen. Ich bezeichne meinen Minimalismus darum auch gern Xchange. Denn ich möchte Weg vom Chaos und wertlosem Krempel. Hin zum Plus. Hin zur Ordnung und hin zum Investment.
 

 
 

 
Mit dieser Einstellung aber komme ich mir im Bereich Minimalismus (leider) fehl am Platz vor. Ich habe das Gefühl, dass ich in die Minimalismus-Szene nicht hinein passe. Denn auch wenn ich es gern behaupten wollen würde, stehe ich nicht für nicht für Themen wie Plastikfreie Nachhaltigkeit, Healthy Food, Yoga, Meditation, Spiritualität und auch nicht für Weltverbesserung. Leider. Ich würde gern sagen können, dass ich dafür stehe. Dass ich Zero Waster bin und, dass es mir beim Minimalismus um das Wohl der Umwelt gehen würde. Doch wenn ich ehrlich bin, stehe ich mit meinem Lebensstil nicht dafür.
 

 
Ich denke, ich stehe vielmehr für dieses: „Wie bekomme ich mein Leben (als freischaffender Künstler) innerhalb einer materialistischen und erz-kapitalistischen Gesellschaft auf die Reihe?“ Oder besser: „Wie mache ich mir meine eigenen Schwächen zu Nutze?
 

 
 

 
Für mich ist der Minimalismus eher so etwas ein kleines Element in einem grösseren Masterplan, der dafür steht, irgendwie zurecht zu kommen im Leben. Ein Masterplan bestehend aus Themen wie Motivation und Antrieb und bestehend aus der Idee aus Minus - Plus zu machen. Ich lebe zwar noch immer minimalistisch, sortiere auch noch immer einige Dinge aus und kaufe nur noch sehr wenig. Aber ich habe nicht den Wunsch danach, ein klischeehaftes Van-Life zu führen. Der Begriff des Minimalismus ist für mich (vor allem durch die Medien) zu einem dogmatischen Lifestyle geworden. Bestehend aus einer Liste mit Kategorien und Themenfeldern, denen ich nicht entspreche. Darum weiss ich selbst nicht mehr so genau, was das Thema meines Youtube Kanals eigentlich ist. Ich weiss aber, dass es der Minimalismus den man im Augenblick aus den Medien kennt, nicht ist. Denn für mich ist Minimalismus nur ein kleines Element in einem grösseren Kontext und komplexeren Masterplan.
 

 
 


 
In so fern stelle ich mir die Frage: „Bin ich überhaupt Minimalist?“ Ehrlich gesagt, weiss ich es nicht. Definitiv aber bin ich nicht ein Minimalist, wie man ihn derzeit aus den Medien kennt. Dafür bin ich zu egoistisch. Und (leider) nicht idealistisch genug.